GESCHICHTSVEREIN DILLENBURG e.V.
Dillenburg um 1840

AKTUELLES

Fußweg erinnert an Catharina Helena Dörrien

 

Dillenburger Geschichtsverein beteiligt sich an 675-Jahrfeier

 

Dillenburg (gedi). „Das ist eine längst fällige Ehrung“, sagte Erhard Ossner, Vorsitzender des Dillenburger Geschichtsvereins, kürzlich in der gut besuchten Jahreshauptvsammlung. Denn der Fußweg, der hinter der evangelischen Stadtkirche unterhalb der „Hohen Mauer“ auf den Schlossberg führt, ist von der Stadt nach der bekannten Zeichnerin, Botanikerin und Erzieherin Catharina Helena Dörrien (1717-1795) benannt worden.

 

Der Dörrienweg unterhalb der „Hohen Mauer“ mit Standort der geplanten Stele. Foto: Erhard Ossner

Schilder am Weg erinnern an die naturforschende Frau. Für nähere Angaben zu Leben und Wirken der Person Dörrien ist eine Stele in Vorbereitung. Sie soll in der Mitte des Weges aufgestellt werden. Bei der Gestaltung und der Finanzierung hat sich neben dem Geschichtsverein auch der Museumsverein engagiert.

 

Rückblick: Im Jahr 2018 konnte der Verein erfolgreich ein Projekt abschließen, das mit einer aufwändigen Planung verbunden war. Die Sanierung der alten Dill-Überquerung an der Herrenwiese, direkt an den Kaufmännischen Schulen gelegen, ist beendet.

         Die Brücke an der Herrenwiese, direkt an den Kaufmännischen Schulen, nach den Sanierungsarbeiten.
                                                                                                                                                               Foto: Jens Backhaus

Eine große Spende aus München erlaubte es überhaupt erst, die Arbeiten zum Erhalt des Bauwerks in Auftrag zu geben. 20000 Euro wurden schließlich investiert. Mit im Boot saß der Lahn-Dill-Kreis, der Eigentümer der denkmalgeschützten Brücke ist. Mit dieser Behörde habe es eine sehr gute Zusammenarbeit gegeben, sagte Vorstandsmitglied Jens Backhaus.

Wie groß das Interesse der Dillenburger an ihrer Geschichte ist, zeigte die im Anschluss an die Sanierung die vom Verein angebotene Brückenwanderung. Wie kommt man heute, und wie kamen die Leute früher vom einen Ufer zu anderen – die Geschichten zu den Bauwerken verfolgten 100 Interessierte.

 

Ausblick: Da von der Spende aus Bayern noch ein ordentlicher Betrag übrig geblieben ist, konnte  der Geschichtsverein nun im Frühjahr 2019 ein weiteres Vorhaben beginnen. Die in vielen Abschnitten mit Erde zugeschütteten und zugewucherten Wege im Dillenburger Weinberg werden derzeit auf Vordermann gebracht und sollen wieder zu Spaziergängen einladen. Ein erster Teil der Instandsetzung ist ausgeführt.

 

Erhard Ossner ging auch auf die im September bevorstehende 675-Jahrfeier ein. Der Beitrag des Geschichtsvereins wird eine Sonderstadtführung sein, die sich mit dem verheerenden Stadtbrand von 1723 befasst. Ihr Titel lautet: "Feuer in Dillenburg".

In seinen Ausführungen ging der Vorsitzende auf die auf „eine Lebendigkeit im Innenstadtbild“ hindeutenden Veränderungen ein: den Umbau im ehemaligen Aka-Kaufhaus, das neue Fachmarktzentrum in der Schwimmbadstraße, das frühere evangelische Gemeindehaus am Zwingel, den Wohn- und Bürohaus-Komplex in der Rathausstraße oder auch den Abriss des Gebäudes der ehemaligen Dampfmühle. „Nicht jedes Projekt ist zu kritisieren“, sagte Ossner. Allerdings würde sich der Verein auch weiterhin um den Erhalt von Historischem einsetzen. Vorausgesetzt: Es ist sinnvoll.

 

Als durchaus sinnvoll wird in diesem Zusammenhang in den Reihen des Geschichtsvereins angesehen, das ehemalige Haus „Emmighausen“, Nummer 17, in der Hindenburgstraße nicht weiter herunterkommen zu lassen. Es zeuge neben den wenigen noch verbliebenen Häusern dieser Straße vom Wohlstand Dillenburger Bürger in den "Gründerjahren" (um 1900). „Es wäre bedauerlich, wenn auch dieses hübsche Gebäude dem Abrissbagger zum Opfer fiele“, meinte der Vorsitzende.

In der Hindenburgstraße 17 steht das ehemalige Haus „Emmighausen“ für dessen Erhalt sich der Geschichtsverein einsetzen will. Foto: Erhard Ossner

Bei den Ergänzungswahlen wurden drei Mitglieder des Führungsgremiums in ihren Ämtern bestätigt: Henning Hofmann (stellvertretender Vorsitzender), Jens Backhaus (Beisitzer) sowie Rainer Wulkow (stellvertretender Kassenwart).

 

Im Rahmen der Versammlung gab es auch Ehrungen. Seit 30 Jahren sind dem Dillenburger Geschichtsverein treu: Heinz und Hanna Bietz, Karl-Heinz Habicht, Klaus Kordesch, Irene Krautwald, Gudrun Kund-Müller, Ewald und Gisela Lorenz, Michael Moos, Brita und Kurt Neikes, Rüdiger Reese, Heidelore Riemann, Ellen und Jochen Schneider, Inge und Johann Spang, Karl Heinrich Stamm, Christa Stolz und Herbert Tropp.

 

Zur Einstimmung auf das Jubiläum im Herbst gab es zum Abschluss eine Rückschau auf das Stadtrechtsjubiläum vor 25 Jahren: Gezeigt wurde ein Video, das Rudolf  Krenzer aus verschiedenen Aufnahmen zusammengestellt hat.

 Text: Kilian Scharf

Naherholung im Dillenburger Weinberg

Geschichtsverein lässt Spazierwege wieder gut begehbar machen

 

Dillenburg (gedi). Das historische Stadtbild zu erhalten – das ist für den Dillenburger Geschichtsverein Wunsch und Verpflichtung zugleich. Viele kleinere und eine große Spende machen nun möglich, einem seit Jahrhunderten in der Oranienstadt bestehenden Kulturgut neuen Glanz zu verleihen: der bei Spaziergängern beliebte Weinberg wird wieder begehbar gemacht. 

Denn schon relativ früh, nämlich ab dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, wurden durch die Mitglieder des Dillenburger Verschönerungsvereins viele Wanderwege rund um die Stadt, so auch im Weinbergbereich, angelegt. Unter Forstmeister Nothnagel (1855-1937 wurde der Weinberg planmäßig erschlossen und betreut.

Wenn Schnee gefallen ist, sind die Wege im Weinberg besonders gut zu erkennen. Sie erstrecken sich von der Stadthalle über den Bismarck-Tempel bis zum Spielplatz am Verbindungsweg zur „Hohl“.

 

Die vielen kleinen Wege erstrecken sich zwischen der Stadthalle und dem Spielplatz am Verbindungsweg zur “Hohl“ (genannt Ho-Chi-Minh Pfad) bis hin zum etwas höher gelegenen Bismarck-Tempel. „Das sind ungefähr zwei Kilometer ineinander verflochtene, lauschige Spazierwege“, meint Jens Backhaus, der im Vorstand des Geschichtsvereins die Koordination der Arbeiten ehrenamtlich übernommen hat.

 

AbJens Backhaus (Mitte)  hat im Vorstand des Geschichtsvereins ehrenamtlich die Koordination der Arbeiten im Weinberg übernommen. Hier bespricht er mit Mitarbeitern der Firma Sebastian Kretz die Erneuerung einer Treppenanlage.

 

Anfang des Jahres haben Mitarbeiter eines Dillenburger Landschaftsbauunternehmens damit begonnen, die an vielen Stellen durch Erosion an den Hängen schmal und unpassierbar gewordenen Wege, vom Parkplatz der Stadthalle beginnend, zu planieren und zu walzen.

Einige alte und auch durch Trockenheit und Hitze abgestorbene Bäume wurden sicherheitshalber gefällt. Auch der Förster möchte noch einige große Buchen und nicht mehr standfeste Eichen aus Sicherheitsgründen herausschneiden lassen. Besonders Buchen können auf dem Höhepunkt ihres Lebens in ihre Zerfallsphase übergehen und zusammenbrechen. 

Ein Weiterarbeiten am Hauptteil des Wegenetzes ist erst nach der Fertigstellung der Hohlbrücke  möglich, da lose Steine auf die Umleitungsstrecke nach Nanzenbach fallen könnten. 

Auch mehrere Treppenanlagen, die helfen, steilere Anstiege zu bewältigen, müssen neu gesetzt werden. Die Stufen sind abgesackt und können nicht mehr gefahrlos begangen werden. Vorgesehen ist, Blockstufen aus dem jetzt abgebrochenen evangelischen Gemeindehaus im Zwingel hier einzubauen. Vorhandene Basalt- und Sandsteinstufen, vor Jahrzehnten als Treppenanlagen in den Weinberg gesetzt, sollen ebenfalls weiterverwendet werden.

                     Wanderweg Weinberg. Vom oberen Stadthallenparkplatz lassen sich bequem Spaziergänge unternehmen

 

Viele der etwa zwei Dutzend Bänke an den Wegen im unteren Weinberg sind ebenfalls renovierungsbedürftig. Fast hundert angefaulte Banklatten müssen gegen neue ausgetauscht werden. Diejenigen Bänke, die sich in besserem Zustand befinden, werden gesäubert und lasiert. 

Ob kurzer Pausenspaziergang oder ausgedehnter Ausflug - der Dillenburger Weinberg ist nach wie vor bei Erholungssuchenden beliebt. Vor allem im Frühjahr bietet er gut Schutz vor den noch frischen und unangenehmen Ostwinden. Gerne werden die Bänke dann genutzt, um die ersten wärmenden Strahlen der Mittagssonne zu genießen. 

Wer am Hang über der Eisenbahnlinie hinaufläuft, trifft zwangsläufig auf einige Kulturdenkmale. Die „Batterie“ erhielt ihren Namen von der Beschießung des Dillenburger Schlosses im Siebenjährigen Krieg. Von hier aus wurden am 13. Juli 1760 glühende Kugeln abgefeuert, die die gesamte Anlage auf dem gegenüberliegenden Schlossberg in Brand setzten und einäscherten.

Nur wenige Minuten Fußweg sind es bis zum Bismarck-Tempel, und nach einem weiteren Anstieg bietet sich vom Adolfstempel, benannt nach Herzog Adolph von Nassau, eine gute Aussicht auf die Stadt und den Schlossberg mit dem Wilhelmsturm.

Das schöne Schutzhäuschen „Kaiserlinde“ auf der oberen Viehweide und der herrliche Panoramablick von der Schutzhütte „Presberslust“ erwarten anschließend den Wanderer.

Alle erwähnten Kulturdenkmale, die dem Spaziergänger Schutz und Rast bieten, wurden kürzlich von Dillenburger Vereinen und Bürgern originalgetreu restauriert. Sie sollen helfen, Geschichte und Geschichten der Oranienstadt lebendig zu halten.

Ein Plätzchen in der Sonne. Mitte Januar können Sonnenanbeter die ersten warmen Strahlen genießen

Text und Fotos Kilian Scharf

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